Erste internationale Zertifizierung zum CBPP in Deutschland

Jakob Freund, die Prüflinge und ich (von links nach rechts)

Jakob Freund, die Prüflinge und ich (von links nach rechts)

Diese Woche fand in Deutschland die erste Prüfung zum CBPP (Certified Business Process Professional)  statt.  7 Kandidaten mussten in 3 Stunden 120 Multiple Choice Fragen rund um das Thema BPM beantworten. 70 % richtige Antworten waren die anspruchsvolle Meßlatte. Gottseidank mußten die Prüflinge nicht lange zittern: Gleich am Abend gab es die erfreuliche Nachricht: alle Kandidaten haben die Prüfung bestanden und sind damit die ersten 7 CBPP’s in Deutschland. Zuvor hatte ich zusammen mit Jakob Freund von camunda die Teilnehmer mit einem Kompaktseminar und Prüfungstraining optimal auf diese Herausforderung vorbereitet.

Für mich ist dieser Erfolg einer besonderer Meilenstein, auf den ich die letzten 4 Jahre hingearbeitet habe.

2006 wurde ich von der gfo gefragt, ob ich die Koordination des deutschen Body of Knowledge für Prozessmanagement übernehmen will. Das habe ich gerne getan, weil ich auf diese Weise mit vielen BPM-Experten zusammenkam und über mein Lieblingsthema fachsimpeln konnte. Schnell wurde das Ganze zu einer deutschsprachigen Angelegenheit. Die schweizerische SGO und die österreichische ÖVO nahmen an der Entwicklung teil. Und dann war klar, dass das Ganze kein rein deutschsprachiger Weg bleiben sollte und die EABPM  wurde geboren. 2008 beschlossen die amerikanische ABPMP  und die EABPM einen weltweit gültigen Body of Knowledge zu veröffentlichen. Die vorliegenden Entwicklungen zum amerikanischen und unserem deutschen Leitfaden wurden  zusammengeführt. Seit Sommer 2009 liegt nun der gemeinsame CBOK in der Version 2.0 in englisch, deutsch, spanisch und französisch vor.

Man kann sich vorstellen, dass eine solche internationale Zusammenarbeit Licht und Schatten mit sich bringt. Einerseits ist es spannend für mich zu erleben, dass „mein“ Thema Prozessmanagement defacto ein weltweites Thema ist. Diskussionen über zum Beispiel BPM-Rollen oder Prozessmodelle, die wir mit Amerikanern, Brasilianern oder Asiaten in unseren CBOK-Meetings führen, ranken sich um die gleiche Probleme wie im deutschsprachigem Raum. Das gibt mir das gute Gefühl, an einer weltweit wichtigen Entwicklung mitzuwirken. Andererseits ist die Abstimmung der vielen unterschiedlichen Beteiligten teilweise langwieriger und mit mehr Kompromissen verbunden, als mir lieb ist. Klar, da bin ich mit meinem eigenen Buch „verwöhnt“. Das habe ich komplett durch geschrieben und mußte mich mit niemandem abstimmen. Damit ist es natürlich in sich konsistent. Das ist bei der aktuellen Version des CBOK noch nicht immer gegeben. Aber aktuell arbeiten wir in sehr enger internationaler Abstimmung an der Version 3.0 des CBOK’s, die 2011 veröffentlicht wird. Und da werden dann die letzten Kinderkrankheiten eliminiert sein.

Eine wesentliche Zwecksetzung der ABPMP und EABPM, den Wissensstand des Fachgebietes BPM aus der Sicht der Praxis zusammenzufassen, ist also mit dem CBOK auf dem besten Weg. Die Zertifizierung von Fachleuten des BPM auf der Basis eines weltweit anerkannten Standards – ein weiteres Ziel der beiden internationalen Verbände – ist nun ebenfalls einen deutlichen Schritt vorwärts gekommen.

Hierbei war ich jedoch mehr Betroffener als Beteiligter. Denn parallel zur Weiterentwicklung des CBOK’s wurde in einem Prüfungskomitte die internationale Zertifizierung zum CBPP aufgebaut. Das Gremium legt die Zulassungsvoraussetzungen fest, den Ablauf der Zertifizierung und entwickelt die Multiple Choice Fragen. Und da hier seitens der Verbände strikt darauf geachtet wird, dass keine Seminaranbieter mit im Prüfungskomitte sind, gings mir dann bei meiner eigenen CBPP-Prüfung Ende vorigen Jahres wie jedem anderen Kandidaten auch.

Generalprobe für die Prüflinge

Doch für diese Erfahrung bin ich im Nachhinein sehr dankbar. Denn sie half mir diese Woche bei der Vorbereitung der 7 Prüflinge.  Denn selbst als vermeintlicher BPM-Experte war ich bei meiner eigenen Prüfung nicht vor den üblichen Fallstricken einer Multiple Choice-Prüfung gefeit. Schnell überliest man ein „NICHT“ in der Fragestellung, interpretiert zuviel in die Antworten hinein oder kommt unter Zeitdruck.

Deshalb sind Jakob und ich in einer Art Generalprobe vor der eigentlichen Prüfung über 70 eigen entwickelte Fragen mit den Teilnehmern durchgegangen. In die Fragen hatten wir sämtliche uns in Erinnerung gebliebenen Inhalte und Fallen eingebaut.

Jetzt könnte man lange über den Sinn und Unsinn von Multiple-Choice -Tests philosophieren. Wir bei ibo haben uns bisher in unseren Zertifikats-Ausbildungen für andere Prüfungsleistungen wie Lernerfolgsbeurteilungen oder Projekt- und Hausarbeiten entschieden. Aber Multiple-Choice hat sich längst bei Prüfungen wie Prince2, PMI oder Six Sigma etabliert und bewährt. Und ich bin überzeugt, dass man mit gut gemachten Multiple-Choice-Fragen am Ende auch wirklich feststellen kann, ob jemand Ahnung und Erfahrung beim Thema hat oder nicht.

Selbstverständlich kann man auch ohne vorherigen Kurs eine CBPP-Prüfung erfolgreich ablegen, empfehlen würde ich es aufgrund unserer Erfahrungen dieser Woche nicht. Deshalb wird es auch wieder einen Kompaktkurs mit Prüfungsvorbereitung und gleich anschließender Prüfung von ibo und camunda geben, und zwar am:

 27.09. – 01.10.2010 in Berlin

Danach kann man dann gleich das Wochenende in Berlin dranhängen und den Tag der deutschen Einheit feiern 😉

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